[REVIEW] King Crimson - Larks tongues in Aspic(1973)

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Max
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[REVIEW] King Crimson - Larks tongues in Aspic(1973)

Beitrag von Max » So 2. Mär 2008, 19:36

Zeit, nochmal einen Klassiker auszugraben und aufzulegen: das grandiose Progalbum "Larks' tongues in Aspic".

Und direkt geht es los mit Percussionwirbel und schrägen Vibraphonlinien, Spannung aufbauend, aber immer leise. Anstatt aber im Lärm auszubrechen, erklingt Geigenwechseltakt, Robert Fripp imitiert (Straßen)verkehrsgeräusche ( :D ), während Jamie Muir und Bill Bruford auf sämtlichen Dingen herumhauen und klopfen, sich gegen den Gong werfen und auf allen möglichen Percussionteilen herumtreten. Jetzt folgt das schräge Metalriff mit verzerrter Gitarre und Jamie Muirs abgedrehten, pochenden Rhythmus. Nach einem Geigenzwischenteil wird das Riff wiederholt, noch aggressiver mit verzerrtem Bass von John Wetton. Frickelige Gitarrenlinien verbinden diesen Teil mit einem 11/8-Part mit krummen Basslinien, Wahwahgitarre und Geigengeräuschen. Jetzt pocht es weiter: die beiden Drummer schlagen auf Kuhglocken und kaputte Becken und Metallteile, der verzerrte Bass sorgt für ein treibendes Fundament, während an der Gitarre ein verstörendes Szenario gemalt wird. Schwere Kost, kontrollierter Lärm, aber toll gemacht. Jetzt wird es erstmal ruhiger - eine sanfte, aber dissonante Geigenlinie wird mit Geräuschen von Jamie Muirs Vogelflöte unterlegt. Jetzt legt Cross auf der Geige bluesige Quinten hin, man fühlt sich in den Instrumentalteil von Curved Air's "Vivaldi" versetzt. Nun wird wieder Spannung aufgebaut, nur spielt die Gitarre jetzt das Anfangsriff. Die Geigenlinien klingen schon verdächtig nach "Pt.2" am Ende des Albums - Percussionwirbel, der aber in einem lauten Akkord endet. Der Bass spielt nun "Epitaph", die Gitarre spielt aufgelöste, cleane Akkorde, eine Radiostimme quatscht darüber. Jetzt kommt das Glockenspiel vom Anfang zurück und lässt den 13minütigen Longtrack wieder in der Stille enden, in der es auch begann.
:eek: Eine Tour de Force der Progmusik!

"Book of Saturday" besteht aus sanften, jazzigen Gitarrenakkorden, Basstönen und schönem Gesang von John Wetton. Im Mittelteil gibt es eine verkehrt abgespielte Gitarre und ein gedämpftes Geigensolo zu hören; rundum eine schöne, ruhige, nostalgisch anmutende Nummer, die auf dem ersten Blick eingängig wirkt, aber durch die schräge Akkordfolge auf höchstem Niveau bleibt. 3 Minuten fließt das sanft weiter, dann wird es mit "Exiles" wieder komplexer...

Der Anfang bietet beklemmende Affen- und Windgeräusche, tiefe Mellotrontöne und Percussion. Nun wird es folkig mit Mellotron, aufgelösten Akustikgitarrensounds und Geige, wozu John Wetton sanft und sehnsüchtig singt. Das könnte genauso von den frühen Renaissance oder Curved Air kommen, sehr schön gemacht. Die perfekte Musik für einen Ausflug in die Natur: folkig-schöne, aber proggige Arrangements. Auch Jamie Muir hält sich hier zurück und spielt ganz normal Schlagzeug. Dieser Teil führt genau in ein melancholisches Zwischenspiel mit anderer Akkordfolge und Gesangsmelodie. Daraufhin wird das Hauptthema wieder aufgegriffen und das Stück wird nach 8 Minuten zum Ende gebracht.

Das nächste Stück, "Easy Money", hat einem marschierenden Rhythmus aus mehrmals overdubbten Schnalzen (sic!), stampfendem Bass, dem Gitarrenriff und Schlagzeug. Nun wird eine bluesige Gesangsmelodie mit vereinzelten Gitarrentönen und unvollständigem, krummen Rhythmus unterlegt, was den Hörer genau in den zweitaktigen (!) Refrain führt. Bei der nächsten Strophe gibt es noch ein paar Mellotronklänge dazu, und nach dem zweiten Mal Refrain erschallt ein Instrumentalteil mit glasklaren Schlägen auf einen Kochtopf, fast psychedelisch anmutend. Dazu setzt Robert Fripp mit einem rockigen Solo ein, das live ins Endlose ausgedehnt wurde. Eine leise Spannungserhöhung ist zu hören, die dann aber wieder abgebaut wird, um wieder neu aufzutreten; das Gitarrensolo wird energischer, Bill Bruford schlägt wieder lauter dazu, wobei seine Rhythmuswechsel sehr verwirrend sind, Jamie Muirs Glockenschläge werden immer lauter. Nun wird die Spannung erneut abgebaut, dann wird es wieder dynamischer mit Wood-Block-Schlägen, einem lauten Gitarrenteppich und Schnalzen durch die Vogelflöte. Der Gesangsteil kommt nun wieder kurz zurück, mit mehr Rhythmuswechseln, Fender Rhodes und Geigengeschrammele.
Beim Vorvorgängeralbum wurde "Indoor Games" mit Gelächter von Gordon Haskell beendet, hier kommt das Gelächter vom Lachsack, einer Art Plattenspieler im Sack mit einer Aufnahme einer lachenden Person.

Das nächste Stück, "Talking Drum" beginnt mit leisen Geräuschen, die dann wieder verstummen. Nach zwei Minuten lassen sich dann wieder Töne erkennen: ein simpler Bass-Wechselschlag mit Handtrommelsounds. Dazu solieren nun die Geige und die E-Gitarre, ein Schlagzeugrhythmus entsteht.
Nun setzt auch der verzerrte Bass dazu ein. Die Musik wird lauter, härter, spannender. Nach diesen 7 Minuten Fade-in ist auch dieses Stück wieder vorbei. Wenn man sich all das anhört, erkennt man, wenn man über die Liveaktivitäten von KC in dieser Zeit weiß, die Herkunft des Stückes: die Bühne, bzw. die Endlosimprovisationen auf der Bühne.
Nach einigen Sekunden Bläsergequietsche, erklingt das Riff von

"Larks Tongues in Aspic Pt.2", das hier mit einem 10/8-Offbeat, durchkomponierten Bass-Geigen-Gitarren-Wechselspielen und Spannung aufbauenden Tonikaseptakkordvariationen glänzt.

Nach Verstreichen dieser letzten siebeneinhalb Minuten ist dieses sehr experimentelle, aber durchaus durchkomponierte, rundum gelungene, kurzweilige Progalbum vorbei, das nichts geringeres als 5/5 Punkten verdient hat.
Jedem, der etwas für schrägen Prog mit Folk- und Metalanleihen übrig hat, kann ich dieses Meisterwerk nur ans Herz legen. Große Empfehlung! :winke:

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