[REVIEW] Earthworks - A Part, And Yet Apart (1999)

feat. Bruford
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JJG
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[REVIEW] Earthworks - A Part, And Yet Apart (1999)

Beitrag von JJG » Sa 22. Aug 2009, 17:14

A Part, and yet apart

„Ich möchte Euch die neuen Earthworks vorstellen. Es sind ein paar der jüngsten und feinsten Musiker aus Londons Jazz-Szene.“

So hat Bill seine drei neuen Mitstreiter auf der Tour der „neuen“ Earthworks vorgestellt. Übertrieben hat er damit nicht. Während der damaligen Tour griff die Band aber noch auf ihre alten Songs und die in Zusammenarbeit mit Eddie Gomez und Ralph Towner entstandenen Stücke zurück.

Ein paar Monate später war es dann soweit. Das im November 1998 eingespielte Album erschien im folgenden Jahr. Back tot he roots? In gewisser Weise schon. Nachdem die „alten“ Erathworks eher „elektrisch“ mit einem zusätzlichen Schwerpunkt auf die Bläser-Fraktion ausgerichtet war, gab es mit der neuen Formation etwas „frisches“ (O-Ton Bruford) und das kann man deutlich hören. Bruford hat sich von seinen elektronischen Simmons-Drums verabschiedet, weil er vorerst damit keine weitere Entwicklung für sich sah und kehrte zu einem akustischen Set zurück.

Das Album bietet neun Songs, die eine Hommage an den traditionellen Jazz darstellen …
Aber fangen wir mit der Produktion an. Das Album ist vom Meister selbst produziert worden und ich habe selten so eine herausragende Produktion eines Bandmitglieds in Eigenregie hören können. Das ganze bietet Raum und Gleichberechtigung für alle Instrumente setzt Nuancen und ist wohl durchdacht. Hut ab !

Die Kompositionen stammen überwiegend von Bill selbst, aber auch die anderen Mitglieder tragen bei einigen Songs dazu bei.

„Ich wachte jeden Morgen so gegen vier Uhr auf und stellte mir die Frage, ob es alles richtig ist“, so kennt man den Perfektionisten und Zweifler Bruford. Und diese Selbstzweifel sind für ihn die Furien, mit denen es keinen Frieden gibt. So wird auch das Album mit dem Stück „ No Truce with the Furies“ eingeleitet. Und es ist eine wahrliche Freude den Spielkünsten der vier Musiker zu lauschen. Die Melodien werden von Instrument zu Instrument getragen. Das ganze wird mit kleinen Solos gespickt, die Tempi werden variiert und die Spielfreude der Künstler ist unüberhörbar.

Das Titelstück kommt recht relaxt daher und basiert auf einer wundervollen Saxophon-Melodie, die vom Piano aufgegriffen wird und in seiner Entwicklung in verschiedene Taktarten wechselt. Ein entspannender und zugleich aufbrausender Song , der zudem noch interessante Bassläufe bietet.

Mit Patrick Clahar (Tenor und Sopran Saxophon) erhalten die Bläsermelodien auch noch einen leicht arabischen Touch. Er ist auf dem Weg sich an die großen Saxophonisten wie M. Brecker oder D. Redman heranzutasten. Auf allen Stücken spielt er makellos und kann auf vielen Songs seine musikalischen Facetten darstellen. Anspieltipps : „Some Shiver, While He Convorts“ oder auch die wundervolle Sax-Melodie auf „“Dewey-eyed, Then Dancing“, die wohl auch eine Ehrung für Dewey Redman ist.

Das Kontrabass gute Laune verbreiten kann, stellt der eher introvertierte, aber nicht minder begabte Mark Hodgson unter Beweis. Dafür seien nur Songs wie „Footloose an Fancy Free“ (mit tollem Drum-Solo Brufords) oder auch „Curiouser and Couriouser“ auf denen er wie auf allen anderen Songs auch, voller Hingabe sein Instrument zelebriert und an Charlie Haden erinnert.

Ein wundervolles Intro gibt es auf „Sarah’s Still Life“ vom Pianisten Steve Hamilton zu hören. Und auch das Stück „The Emperor’s New Clothes“ stellt eine weitere Farbnuance für die „Erdarbeiten“ dar. Hamilton ist so eine Mischung aus Keith Jarrett und Lyle Mays. Sein „weiches“ Klavierspiel erinnert mich an beide Pianisten und die Keyboards natürlich an den der Pat Metheny Group (Lyle Mays).

Eine Up-Tempo-Nummer (Eyes On The Horizon) stammt ebenfalls aus der Feder vom Tastenmann, die er auf die Fähigkeiten der gesamten Band ausgerichtet hat. Melodien, die zwischen den Melodieinstrumenten (Sax/Piano) pendeln und aufregende Rhythmusbreaks für die Bass/Drums-Fraktion bieten.

Den Abschluss des Albums bildet das bereits genannte, grandiose „Dewey-eyed, Then Dancing“. Ein Song mit tief gehender Melodie, die im Wesentlichen auf das Saxophon ausgerichtet ist, aber im Mittelteil Platz für Bass und Piano lässt und Spannung aufbaut und ein fulminanten Abschluss für ein anspruchsvolles Album bietet.

Fazit : Volle Punktzahl. Ein Jazz-Album, welches man nicht besser machen kann !
"We are truth made in heaven, we are glorious" (Anderson/Stolt 2016)

Saaldorf

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