Frank Zappa

Forumsregeln
Die Threads werden automatisch nach Namen der Interpreten (alphabetisch) sortiert. Viel Spaß!

Topic author
DocFederfeld
Keymember
Beiträge: 1730
Registriert: Di 18. Aug 2009, 14:53

Frank Zappa

Beitrag von DocFederfeld » Sa 26. Feb 2011, 22:01

Ich als Bisher-Fast-Gar-Nichts-Kenner eröffne jetzt mal einen Frank Zappa-Thread.

Ich habe in den letzten Wochen ein paar Aufnahmen bei Dime heruntergeladen und auch die DVD "The Torture Never Stops" gekauft und angesehen und ich möchte einfach wissen: Was ist denn daran toll :?:

Ich bin mir selbst noch nicht ganz sicher, ob ich das jetzt wahnsinnig genial finden soll, was ich gehört habe, oder ob Zappa nicht eher der meistüberschätzte Musiker aller Zeiten ist. Derzeit tendiere ich zu letzterem.

Die Instrumentalpassagen gefallen mir überwiegend, aber ich fühle mich dabei sehr stark an Phish erinnert, die das tausend Mal besser spielen :!: Die Texte sind vielleicht vor 40 Jahren provokativ gewesen, bewegen sich aber überwiegend unter der Gürtellinie und erinneren eher an den Fäkalhumor eines Kindergartenkindes.

Und überhaupt erinnert mich der Gesang leider schrecklich oft an Rap (klar war später, genau wie Phish, heisst aber nicht, das es mir plötzlich gefällt, nur weil der Meister Zappa dran beteiligt war).

Help :roll:

Benutzeravatar

Fragile
Keymaster
Beiträge: 7717
Registriert: Sa 23. Sep 2006, 16:20

Re: ZAPPA, Frank

Beitrag von Fragile » So 6. Mär 2011, 23:55

Letzter Beitrag der vorhergehenden Seite:

BBQ.Master hat geschrieben:bei Fripp ist es z. B. so, dass er ein ausgezeichneter Bandleader ist, auch wenn er komplett das Sagen hat und sozusagen ein Diktator ist. Er bringt seine Mitmusiker allerdings dazu, Höchstleistungen zu erbringen.


Und genau so war es bei Zappa auch. Wobei er die Sache wohl etwas lockerer und unverkrampfter als sein britischer Kollege anging. Zappa hatte hatte eine Menge Humor und nahm sich öfters auch selbst auf die Schippe. Etwas, das mir bei Fripp weitestgehend fehlt, obwohl ich auch seine Musik sehr gerne mag. Aber da brauchte es wohl erst einen Adrian Belew, der die Stimmung bei KC etwas auflockerte.

Ach, und so schließt sich der Kreis, denn der gute Adrian ist ja auch ein ehemaliger Zappa-Mitstreiter:

[youtube]aFIMWRXWY90[/youtube]
He's seen too much of life,
and there's no going back...


Topic author
DocFederfeld
Keymember
Beiträge: 1730
Registriert: Di 18. Aug 2009, 14:53

Re: ZAPPA, Frank

Beitrag von DocFederfeld » So 20. Mär 2011, 11:44

Ich versuche, mich einzuarbeiten :roll: und habe mir zu diesem Zwecke Musik und Lektüre bestellt ;)

Bild

BildBild

Benutzeravatar

SOON
Keymaster
Beiträge: 10206
Registriert: So 9. Mär 2008, 16:20

Re: ZAPPA, Frank

Beitrag von SOON » So 20. Mär 2011, 17:17

Oh, mit Uncle Meat gehst du ja gleich in die Vollen.
Eigentlich handelt es sich ja um das letzte Mothers of Invention-Werk.
Zwar gab es später noch posthum veröffentlichte MoI Scheiben, bei den Uncle Meat- Aufnahmen handelt es sich jedoch um die letzten Aufnahmen dieser Bandbesetzung.
Uncle Meat ist wohl ihr artifiziellstes und reifstes Werk. Sicherlich ein Höhepunkt!
Für eine der 8 MoI Platten kann ich mich nicht entscheiden, am meisten läuft jedoch Freak Out und Absolutely Free.
Wen der zappaeske Klamauk stört hat hier von vorneherein verloren aber die Mischung aus R&B, Rock und Doo Wop ist einfach grandios.

BildBild

Sein eigentliches Solodebut ist das hochexperimentelle Lumpy Gravy aus dem Jahre 1968.
Wenn ich mich auf ein Zappa Werk festlegen müsste wäre es Hot Rats das stärker als zuvor Jazzelemente enthält.
Waka/Jawaka und The Grand Wazoo schließen stilistisch, mit größerer Bandbesetzung, an Hot Rats an.
Diese Zappaperiode mag ich am liebsten.

BildBildBild


Wesentlich Song- und rockorientierter sind Over-Nite Sensation, Apostrophe (’), One Size Fits All und Sheik Yerbouti welche, wie man so sagt, in keiner Sammlung fehlen sollten.

BildBildBildBild

Das Spätwerk ist von immer größeren stilistischen Brüchen geprägt.
Oft höre ich hier noch die Jazz from Hell die fast komplett am Computer erzeugt wurde.
Ein letzter Höhepunkt stellt wohl The Yellow Shark aufgenommen, zusammen mit dem Ensemble Modern, da.

BildBild

Bis heute werden immer wieder mal interessante Aufnahmen aus den Archiven veröffentlicht, was der Übersichtlichkeit seiner Discographie nicht gerade zugute kommt.
Auch gibt es Dutzende von Liveaufnahmen.
MAKE PROG NOT WAR ! ---> ---> My 2019 Album Faves

Benutzeravatar

Fragile
Keymaster
Beiträge: 7717
Registriert: Sa 23. Sep 2006, 16:20

Re: ZAPPA, Frank

Beitrag von Fragile » Fr 8. Apr 2011, 18:57

Drei Ex-Mitglieder von Frank's ehemaliger Band "Mothers Of Invention" scheinen musikalisch noch aktiv zu sein. Vor ein paar Tagen gaben Murphy Brock, Roy Estrada und Don Preston ein Konzert in Köln.

http://www.ksta.de/html/artikel/1296657571661.shtml

Wahrscheinlich sind die drei Herren neben Zappa-Sohn Dweezil eine weitere Möglichkeit, die musikalische Wunderwelt von Frank noch live zu erleben.
He's seen too much of life,
and there's no going back...

Benutzeravatar

Fragile
Keymaster
Beiträge: 7717
Registriert: Sa 23. Sep 2006, 16:20

Re: ZAPPA, Frank

Beitrag von Fragile » Mo 11. Apr 2011, 17:28

Was ich auch erst neulich herausgefunden habe ist, dass vor ein paar Jahren im Berliner Stadtteil Marzahn-Hellersdorf eine Straße nach Frankyboy benannt wurde.

Bild

http://www.welt.de/kultur/article106593 ... rzahn.html


Ich gebe vielleicht auch nochmal ein paar Einsteigertipps:

-The Grand Wazoo: Stammt aus seiner Jazz Phase, absolut geniales zappaeskes Werk. Sollte man mal gehört haben.

-Sheik Yerbouti: Enthält mit "Bobby Brown" wohl seinen bekanntesten Song, aber auch sonst ein sehr sehr geniales Album.

-Joe's Garage: Eines der besten Konzeptalben überhaupt!

-Läther: Vielleicht das Einstiegswerk für Leute die die Musik von Zappa näher kennenlernen wollen.


Live würde ich einstiegsmäßig zu Roxy & Elsewhere oder Live in New York greifen.
He's seen too much of life,
and there's no going back...


Der Teemeister
Keymember
Beiträge: 1534
Registriert: Sa 12. Mär 2011, 12:01
Wohnort: Leipzig

Re: ZAPPA, Frank

Beitrag von Der Teemeister » Mo 11. Apr 2011, 18:45

Das verrückte an Zappa ist, dass er sehr viel verschiedene,
sich (eigentlich) ausschließende Musik gemacht beziehungsweise
miteinander verbunden hat. So steht bei ihm oft der doo-woop
(eine Schwarze Form des Rock`n Roll, 1955-62, z.B. The Drifters,
The Platters), neben dem instrumentalen, ursprünglichen Surf-Sound
(vor den Beach Boys also, z.B. (Dick Dayle & The Deltons, The Chantays,
The Astronauts) neben, - oft auf dem Vibraphon vorgetragener -,
zeitgenössischer klassischer Musik (Edgar Varese,Giacinto Scelsi),
Rock-Jazz Fusion (z.B. Chick Corea, Return To Forever, Mahavishnu
Orchestra) und Pop-Sachen (z.B. David Bowie). Oftmals alles auch
noch auf ein- und derselben Platte nebeneinander, womit ich nur schwer
zurechtkomme. Ich mag da eher seine stilechten Alben - entweder, oder.
Zappa war stets er selbst und zog fast alles durch den Kakao.

Einsteiger nehmen am besten Best-Of "normalo"-Pop-Sampler wie
"Baby Snakes" oder "Strictly Genteel".
Yes-Fans könnten sich die Sache von der Rock-Jazz/Fusion Sache
erarbeiten, und beginnen am besten mit meinen Favoriten:

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild


number nine
Beiträge: 708
Registriert: Mi 29. Jun 2011, 22:27

Re: ZAPPA, Frank

Beitrag von number nine » Mi 13. Jul 2011, 20:30

Hey Doc!

Ich hoffe, Du hast Dein Vorhaben, Zappas Musik zu ergründen, noch nicht auf Eis gelegt oder gar abgebrochen!!!

Ich würde Dir zum Einstieg (falls das noch von Nöten sein sollte) zwei Scheiben ganz warm ans Herz legen und zwar diese beiden hier:

Bild

Bild

Das sind nicht irgendwelche best off Scheiben, sondern die sind sehr überlegt zusammengestellt, decken den ganzen Zappa ab und sind hinsichtlich der Songauswahl, der Titelabfolge usw. genau auf Leute zugeschnitten, die Zappa kennen lernen möchten. Ich habe mich Jahrelang und sehr intensiv mit dem Schaffen Zappas beschäftigt. Aber mitunter höre ich einfach diese CDs, weil sie mich jedesmal umhauen.
Hate takes a lot of energy - and i'm savin' mine up for all the good shit that's comin' my way 'cause i'm a good person and i deserve good shit in my life.


number nine
Beiträge: 708
Registriert: Mi 29. Jun 2011, 22:27

Re: ZAPPA, Frank

Beitrag von number nine » Mi 13. Jul 2011, 20:37

BBQ.Master hat geschrieben: Bei Zappa hingegen habe ich immer das Gefühl, dass er die Musik mitunter nur gemacht hat, um zu zeigen, wie toll er das doch konnte.
Lieber BBQ, das mag Dein Eindruck sein, hat aber mir der Realität nichts gemein. Zappa war ein, naja, sagen wir mal ganz guter Gitarrist. Und ich finde auch seine Gesangsstimme angenehm, das hat aber weniger mit dem tatsächlichen Vermögen, zu singen zu tun, als mit Charisma.

Er konnte toll Musik machen im Sinne von verrückte Sachen schreiben, aber der Knackpunkt ist, dass vieles von dem Zeug übelst schwer spielbar bis unspielbar war. So waren die Zappa Bands alle handverlesen (die letzte war technisch die beste). Die mussten arbeiten, arbeiten, arbeiten! Zappa verlangte seinen Musikern alles ab, damit seine Musik so aufgeführt wurde, wie er es wollte. Sein Anteil bei dem Aufführen der Musik ging immer mehr zurück, je komplizierter diese wurde. Auch den Gesang übernahm er zum Teil gar nicht mehr.

Von daher empfehle ich nicht die beiden gängigen Livealben, weil die voll mit Overdubs sind, sondern die "You Can't do that on Stage anymore" Scheiben. Die sind liebevoll zusammengestellt (es gibt 6) und auf einigen dieser Volumes kommt das klar zum Ausdruck.
Hate takes a lot of energy - and i'm savin' mine up for all the good shit that's comin' my way 'cause i'm a good person and i deserve good shit in my life.


Michael
Beiträge: 38
Registriert: Di 6. Dez 2011, 21:23
Wohnort: Hille

Re: ZAPPA, Frank

Beitrag von Michael » Do 15. Dez 2011, 19:10

DocFederfeld hat geschrieben:… Ich bin mir selbst noch nicht ganz sicher, ob ich das jetzt wahnsinnig genial finden soll, was ich gehört habe, oder ob Zappa nicht eher der meistüberschätzte Musiker aller Zeiten ist. Derzeit tendiere ich zu letzterem.

Die Instrumentalpassagen gefallen mir überwiegend, aber ich fühle mich dabei sehr stark an Phish erinnert, die das tausend Mal besser spielen …
Aua! Das sind die gleichen verqueren Verwechslungen der Kausalitäten wie letztens bei der Tales-Diskussion. Unter diesen Voraussetzungen wird das nichts mit dem Kennenlernen des Zappa-Gesamtwerkes. ;)

Schon Brian May sagte sinngemäß: Ein Menschenleben reicht nicht aus, um das zu erfassen, was dieser Mann in seinem viel zu kurzen Leben geschaffen hat.

Was das Späteinsteigen fast 20 Jahre nach seinem Tod aber schwierig macht, ist dass alles was er gemacht hat, eng mit seiner Präsenz und seiner Zeit verknüpft ist. Alles war Kommentar oder Gegenentwurf im jeweiligen zeitlichen Kontext. Jemand sagte mal: Zappa sei "Musik über Musik". Da ist 'was dran. Deswegen kann man vieles nicht Begreifen, wenn man zeitlich nicht dabei war oder zumindest den Kontext nicht kennt. So gesehen ist Zappa nicht zeitlos und möglicherweise für spätere Generationen tatsächlich bedeutungslos.

Zum Glück :D bin ich aber als Zeitgenosse 1975/76 in die Zappa-Materie eingestiegen, anlässlich der Sendung von A Token Of His Extreme (Dub Room Special) im ZDF (!). Von da an war ich bekehrt und Zappas Musik ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden und bis heute geblieben.

Wer erst jetzt im fortgeschrittenen Alter in das Gesamtwerk eintauchen will, darf sich auf viele Jahre der Beschäftigung einstellen (/freuen). Das geht aber mit Sicherheit nur mit Toleranz statt Ignoranz.
Nur etwas an der Oberfläche kratzen bringt kaum 'was.

Für Neueinsteiger sind die meisten der posthumen Veröffentlichungen aus den Archiven des Zappa Family Trust mit Vorsicht zu genießen. Dazu gehören auch DVDs wie The Torture Never Stops. Besser die Dinge zuerst vornehmen, die Zappa selbst bis zu seinem Tod veröffentlicht hat. Vieles aus dem Nachlass hat Zappa wohl aus gutem Grund nicht zu seinen Lebzeiten selbst veröffentlicht. Auch Dweezil Zappas "Zappa Plays Zappa"-Projekt kann Neulinge irritieren – die Interpretation versuchen Reproduktion der Originalaufnahmen zu sein, was zu einer merkwürdig leblosen "Malen nach Zahlen"-Ästhetik führt.

Für den Anfang sei die Discreet-Phase (ca. 1973-1975) empfohlen. Besonders die Alben One Size Fits All und Roxy & Elsewhere. Von da aus auf dem Zeitstrahl vorwärts und rückwärts bewegen.

Hier ein paar Links für den Überblick über das Gesamtwerk:

http://www.lukpac.org/~handmade/patio/v ... index.html
http://www.globalia.net/donlope/fz/lyrics/index.html

Die offizielle Seite ist für Fans nicht so interessant, weil etwas dürftig. Die Diskographie ist aber einigermaßen übersichtlich gemacht: http://www.zappa.com/fz/discography/index.html


hans
Beiträge: 877
Registriert: Di 16. Nov 2004, 21:31

Re: ZAPPA, Frank

Beitrag von hans » Do 15. Dez 2011, 19:36

Ich habe spät zu Zappa gefunden, musste fast 40 werden, um den Einstieg zu finden und zu begreifen. Dann aber erschloss sich ein ganzes Universum. Insofern kann ich Brian May nur zustimmen. ;)

Das erste Album, das bei mir *klick* gemacht hat, war übrigens ROXY & ELSEWHERE".
hans


Topic author
DocFederfeld
Keymember
Beiträge: 1730
Registriert: Di 18. Aug 2009, 14:53

Re: ZAPPA, Frank

Beitrag von DocFederfeld » Do 15. Dez 2011, 21:16

Michael hat geschrieben:Aua! Das sind die gleichen verqueren Verwechslungen der Kausalitäten wie letztens bei der Tales-Diskussion. Unter diesen Voraussetzungen wird das nichts mit dem Kennenlernen des Zappa-Gesamtwerkes. ;)
Wenn Du meine Beiträge nicht nur überfliegen würdest, könntest Du sie auch besser verstehen :|. Du bist nicht zufällig Lehrer im richtigen Leben :?:

In meinem Beitrag stand: Phish sind später ... natürlich sind sie massiv von Zappa beeinflusst und deshalb vergleiche ich persönlich und stelle fest: Phish sind witziger (und nicht so peinlich pubertär), virtuoser, nach meinem höchstpersönlich-eigenen Geschmack, den ich mir erlaube mit 44 Jahren zu haben, einfach 1000x besser [smilie=neener.gif] .

Zurück zu „Bands/Musiker Z“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste