Island 2012


ingo
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Re: Island 2012

Beitrag von ingo » Fr 13. Jul 2012, 22:13

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Aprilfrost hat geschrieben:@Ingo - Wie war die Witterung, als Ihr da wart?
Wir waren 2001, 2003 und 2005 in Island. Über das Wetter konnten wir uns nicht beschweren. 2003 hatten die Isländer auch einen Jahrhundertsommer, halt nur 10 bis 15 Grad weniger als in Deutschland. 2005 hatten wir einen Tag Totalausfall.
2003 haben wir auch diese Rundreise gemacht. Weil dabei der Südküstenteil zu große Etappen hatte, haben wir uns 2005 diesen Teil (Reykjavik bis Egelstadir) als 7-Tage-Fahrt zusammenstellen lassen. Wir sind aber von Egilstadir nach Reykjavik geflogen. 2005 sind wir auch nach Landmannalaugar (http://de.wikipedia.org/wiki/Landmannalaugar) gefahren. Da war allein schon die Fahrt wegen der vielen Bachdurchfahrten spannend. Und was wir dann dort an Farben gesehen haben, war einfach Wahnsinn.
Uns würde jetzt nur noch mal eine Süd-Nord-Fahrt durchs Hochland und die Nordfjorde interessieren.

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Re: Island 2012

Beitrag von Aprilfrost » Sa 14. Jul 2012, 13:45

Tag 8

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Einen Teil unseres nächsten Streckenabschnitts kannten wir nun schon. Der Mývatn präsentierte sich
noch einmal in seiner ganzen Schönheit. Dimmuborgir ließen wir rechts liegen, den Hverfjall ebenfalls,
und dann begann für uns wieder Neuland. Dazu überquerten wir den Námaskarð-Pass (Náma ist das
isländische Wort für Mine, Skarð bedeutet einfach Pass.) Dahinter lag wieder einmal eine Gegend, die
uns staunen ließ. Es waren die Schwefelfelder des Namaskarð.

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Schwefelgeruch aus Erdspalten und Solfataren schlug uns entgegen. Das konnte man sogar schon auf
dem Pass riechen. Es blubberte und Spritzte in den Schlammlöchern, Erdkegel dampften fauchend und
man wähnte sich in einer Fantasiewelt.

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Jenseits der Solfataren erstreckte sich eine ungesund aussehende Ebene in rötlichen und bräunlichen
Farbtönen.

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Auf der anderen Seite der Straße Nr. 1 geht eine Stichstraße zum Vulkan Krafla, der uns wegen seiner
blauen Wasserfüllung sehr gut gefiel. Auch hier mussten wir, wie auf dem Hverfjall, einmal rundherum.

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Nah an diesem Krater befindet sich eine Geothermalanlage, die durch kilometerlange Aluminiumrohre,
die sich in den Bergen verlieren, ziemlich futuristisch anmutet. Sollte man in dieser Gegend ein
dringendes Bedürfnis verspüren, konnte man sich gleich neben der Straße erleichtern und sich gründlich
säubern.

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Wir aber nutzten dieses Angebot nicht, sondern fuhren nun direkt zum größten Wasserfall Islands, dem
Dettifoss, dessen Größe sich aus dem fallenden Wasservolumen und der Höhe errechnet. Er wird durch
den Fluss Jökulsá á Fjöllum gespeist. (Jökulsá bedeuten einfach Gletscherfluss und Fjölllum ist die Gegend,
durch die er fließt.)

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In unmittelbarer Nähe, also innerhalb drei Kilometern gibt es noch zwei weitere Wasserfälle. Da mussten
wir natürlich auch hin. Flussaufwärts liegt der Selfoss, an den wir nicht näher heran kamen. Leider
hatten wir das Teleobjektiv im Auto gelassen.

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Flussabwärts haben wir dann noch den Hafragilsfoss, dessen Namen ich mir nicht merken konnte, bis
Frau Frost sagte: „Denk einfach an Fragile!“ (Hafragilsfoss) Man kann ihn nur vom anderen Ufer
aus gut fotografieren, dafür poste ich ein Bild von der Schlucht, in die der Wasserfall stürzt.

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Auf der Weiterfahrt begleitete uns lange der Tafelvulkan Herðubreið, der mit fast 1700 Metern Höhe
unübersehbar ist. Wir erreichten Egilsstaðir, unsere nächste Übernachtungsmöglichkeit erst ziemlich
spät. Und gleich am nächsten Tag sollte es weiter gehen.

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Re: Island 2012

Beitrag von JJG » Sa 14. Jul 2012, 14:45

Nach wie vor -klasse Bilder
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Re: Island 2012

Beitrag von Caravan » Sa 14. Jul 2012, 21:35

Ich will da auch wieder hin!!!

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Re: Island 2012

Beitrag von Aprilfrost » Sa 14. Jul 2012, 21:42

Caravan hat geschrieben:Ich will da auch wieder hin!!!
Unbedingt!!!
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Re: Island 2012

Beitrag von rowoma » So 15. Jul 2012, 13:50

Auch ohne jemals auf Island gewesen zu sein (kann ja noch werden, wenn´s bezahlbar wird....) ist Dein Reisebericht sehr fesselnd! Freue mich auf jede weitere Folge!

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Re: Island 2012

Beitrag von Aprilfrost » So 15. Jul 2012, 14:48

rowoma hat geschrieben:Freue mich auf jede weitere Folge!
Schön, für mich ist das Schreiben fast wie Urlaubsverlängerung. Ich mach mich dann mal an Tag 9. Bis später.
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Re: Island 2012

Beitrag von Aprilfrost » So 15. Jul 2012, 18:27

Tag 9

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Hinter Egilsstaðir befindet sich der Lagarfljótsee, in dem ein Verwandter des Ungeheuers von Loch Ness
leben soll. Wir haben ihn (es) allerdings nicht zu Gesicht bekommen. Trotzdem fuhren wir dort hin,
weil ein 118 Meter hoher Wasserfall, der Hengifoss ihn mit Gletscherwasser speist. Der Weg zum
Hengifoss war nicht ganz einfach. Mehrfach musste der Fluss auf Felsbrocken überquert werden. Und
die lagen nicht immer fußgängerfreundlich in der Gegend herum. Außerdem ging es neben dem Pfad
häufig steil nach unten. Deshalb hat - vermutlich ein Yesfan – am Parkplatz ein Warnschild hingestellt.

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Der Weg zum Hengifoss wurde durch malerische kleinere Wasserfälle kurzweilig unterbrochen, wie
z. B. diesem hier:

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Bis ganz zur Aufprallstelle des Hengifoss führte kein Weg, aber wir kamen ziemlich dicht heran.

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Ich glaube, dass dies mein Lieblingswasserfall in Island ist, aber das ist sicher Geschmackssache.
So weit wie wir hatte sich kaum jemand anderes herauf gewagt. Von Zeit zu Zeit sammelte sich das
Wasser in kleinen „Pools“. Ein englisches Paar, das wir von einer Unterkunft her kannten und die uns
auf dem Weg zum Wasserfall entgegen kamen, meinte, dass man da oben gut baden könnte.

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Ich sagte mir: „Frosti, sei kein Froschi!“ und nahm ein 3-Minuten-Bad. Sooo kalt fühlen sich
geschätzte zehn Grad gar nicht an. Und erfrischt wanderte ich zum Auto zurück.

Nun hieß es Abschied nehmen vom Nordosten und sich auf die Südseite der Island-Insel einzustellen.
Vor allem hoffte ich, dort die berühmten Papageientaucher endlich einmal zu sehen. Die sollen auf Island
so zahlreich sein, dass man sie auf die Speisekarte setzt wie bei uns Enten.
Wir entschieden uns, im Osten fünfzig Kilometer der Ringstraße abzukürzen und einen steilen Pass
zu nehmen. Trotz meiner dezenten Höhenangst kamen wir entspannt am Berufjördur an. Bei einem
Picknick auf dem Pass leisteten uns Schafe Gesellschaft.

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Papageientaucher zeigten sich nicht, aber am Straßenrand gammelten ein paar Rentiere rum.

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Das bisher ziemlich gute Wetter legte nun eine Pause ein. Erst legte sich dicker Nebel über die Fjorde,
dann verdichtete sich der Nebel zu Wolken, und schließlich fing es an zu regnen, wenn auch nicht
durchgehend. Der Vatnajökull, seines Zeichens größter Gletscher Europas, war eher zu erahnen als zu
erkennen.

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Re: Island 2012

Beitrag von Aprilfrost » Mo 16. Jul 2012, 19:19

Tag 10

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Von ein paar Wolken und ein bisschen Regen lassen wir uns ja nicht lumpen. Wie gewohnt gingen wir
unseren Wanderaktivitäten nach. Wir hielten als nächstes an der Gletscherlagune Jökulsárlon. Der
Vatnajökull gibt hier ständig stückweise sein Eis her, das mit Krachen vom Gletscher abbricht und dann
langsam, aber beobachtbar in Richtung Meer weg driftet. SOON meinte weiter oben, die Landschaft
hätte was von Roger Dean. Das trifft hier auch zu, wie ich finde.

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Schließlich erreichten wir den Skaftafell-Nationalpark, der sich erst einmal als großer Campingplatz
mit ebenso großem Parkplatz und Touri-Shop darbietet. Zum Glück sind die meisten Menschen heute ja
nicht mehr so gut zu Fuß, will sagen: zu faul, ein Stück zu laufen. Darum war es am nächsten
Wasserfall, dem Svartifoss, dann auch wieder ziemlich einsam. Auffällig an diesem Ort sind die
Basaltsäulen, die den Wasserfall einrahmen. Es hat mich immer wieder erstaunt, was für ebenmäßig
Formen die Natur hervor bringen kann.

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Ansonsten erwies sich die Landschaft hier als eher eintönig. Wo vor Jahrhunderten und –tausenden
das Meer bis an die Felsen schlug, hatten Gletscher und Vulkanausbrüche eine Kilometer breite Ebene
vom Fuß der Berge bis zum Wasser ausgebildet. An einigen Stellen kann man noch die Verwerfungen
durch den Lavafluss erkennen.

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Auf unserer Weiterfahrt kamen wir an seltsamen Bergen vorbei…

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… und immer wieder auch an Islandpferden.
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Selbst der Vatnajökull ließ sich hinter jeder dritten Straßenwindung blicken.

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Tagesziel war Kirkjubæjarklaustur, eine kleine Stadt in der Pampa, die kaum mehr bot, als die
unvermeidliche Tankstelle mit angeschlossenem Imbiß. Wir übernachteten etwas außerhalb und
kamen unterwegs an diesen mekrwürdigen Hügeln vorbei. Unter der Grasnarbe befindet sich Lava
(was sonst?).

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Richtung dunkel wurde es auch hier die ganze Nacht nicht, aber die dicken Wolken schluckten eine
Menge Licht, was den Bergen in der Ferne fast etwas Unheimliches verlieh.

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Re: Island 2012

Beitrag von Aprilfrost » Mi 18. Jul 2012, 18:40

Tag 11

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Der Kreis beginnt sich langsam zu schließen. Aber noch liegen vier Tage vor uns. Die Strecke, die wir
heute zurück zu legen haben, ist nur siebzig Kilometer lang – und doch so voller wunderbarer
Naturerlebnisse. Und auch das Wetter begann sich allmählich wieder zu beruhigen. Vorbei der Nebel,
Vergangenheit die trübe Sicht. Der Vatnajökull lag nun zwar hinter uns, aber der Eyjafjallajökull lag
malerisch in er Vormittagssonne vor uns. Man erinnert sich vielleicht, dass dieser Vulkan vor zwei
Jahren den Flugverkehr in einem Teil der zivilisierten Welt durch seinen Ausbruch erheblich behindert
hat. Inzwischen ist Gras über die Lava gewachsen. Es sieht so aus, als hätte es den Ausbruch gar nicht
gegeben. Sigrún, unsere nächste Gastgeberin hatte aber tolle Fotos von den direkten Auswirkungen der
Eruptionen und konnte uns viel darüber erzählen.

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Als wir in Reynisdrangar ankamen, ging noch mal ein heftiger Regenguss runter. Wir untersuchten
einige kleinere Höhlen, die von Basaltsäulen umrahmt waren, wie die vom Hengifoss. Die Felsen
fotografierten wir dann von Dyrhólaey aus, unserer nächsten Station.
Ein extra Hinweis an Bruford65: Die Felsen standen natürlich nicht immer dort. Es waren auch nicht
immer Felsen, sondern drei dämliche Trolle, die sich auf Beutejagd in der Zeit vertan hatten und am
Ufer vom Sonnenaufgang überrascht wurden. Was bekanntlich dazu führt, dass Trolle versteinern.

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Von Reynisdrangar aus konnte man bereits das Kap von Dyrhólaey erblicken, das sich mit einem sehr
schönen Felsentor schmücken kann. Während es in Reynisdrangar wie aus Kübeln schüttete, schien in
Dyrhólaey die Sonne. Also nichts wie hin.

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Das Meer hatte an dieser Stelle eine Brandung, die jeden Kampfschwimmer (und erst recht jeden
Nichtschwimmer) ohne weiteres an den Felsen zerschmettert hätte. Wir waren ganz fasziniert von
dieser Naturgewalt.

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Auf den Felsen wanderten wir umher auf der Suche nach den Papageientauchern. Und endlich, endlich
fanden wir neben den Raubmöwen, Trottellummen, Tordalken und anderem Federvieh auch vier dieser
berühmten Vögel. Wenn auch nur durchs Teleobjektiv, aber immerhin. (Später erfuhr ich, dass „Puffins“,
wie sie auf englisch heißen, vor allem an den Westfjorden, dem Gebiet nördlich von Snæfellsnes
anzutreffen sind.)

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und einmal vergößert
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Vor unserer nächsten Bleibe steuerten wir noch den Skogafoss an, einen ebenmäßigen Wasserfall, der
wie ein riesiger Vorhang vor dem Felsen hängt.

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Der vorletzte Wasserfall, der uns begeistern sollte, war der Seljalandsfoss.

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Das Besondere an diesem Wasserfall ist, dass man hinter ihm herum gehen kann.

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Musste ich natürlich tun. Wozu hat man denn in regendichte Klamotten investiert?! Auf dem nächsten
Bild ist unten eine winkende, zwergenhafte Gestalt zu erkennen. Es handelt sich, wie man sich denken
wird, um Aprilfrost.

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Der Kamera wollten wir die Strapazen nicht antun, daher sind diese drei Bilder wieder mit dem Telefon
aufgenommen worden.
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hans
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Re: Island 2012

Beitrag von hans » Mi 18. Jul 2012, 18:54

Fantastisch! Danke für's Teilen! :)

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